Flugzeug auf dem Vorfeld des Flughafens Frankfurt
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Praxisleitfaden Luftfahrt

EU 2025/20: Trinkwasserservice im Ground Handling

Die Delegierte Verordnung (EU) 2025/20 ist eine Ground-Handling-Sicherheitsverordnung, keine Wasserverordnung. Ihre allgemeinen Anforderungen werden ab dem 27. März 2028 anwendbar. Innerhalb dieses Rahmens regelt GH.OPS.320, wie eine Bodenabfertigungsorganisation den Trinkwasserservice für Luftfahrzeuge sicher organisiert.

Quellenstand: EASA Easy Access Rules for Ground Handling (Ausgabe November 2025) Zuletzt geprüft: 20. Juli 2026

27. März 2027Erste Selbsterklärungen betroffener Organisationen vorgesehen
27. März 2028Allgemeine Anforderungen der Verordnung werden anwendbar

Das gilt jetzt

  • Die Verordnung ist in Kraft; die allgemeinen Anforderungen gelten ab dem 27. März 2028.
  • Erste Selbsterklärungen betroffener Organisationen sind zum 27. März 2027 vorgesehen.
  • GH.OPS.320 verlangt Verfahren für den Trinkwasserservice in Abstimmung mit dem Flugplatzbetreiber und periodische Qualitätsprüfungen.
  • AMC1 GH.OPS.320 beschreibt Prüfungen an Übergabepunkten und aufbewahrte Nachweise als akzeptables Nachweisverfahren, nicht als bindenden Verordnungstext.

Welche Ground-Handling-Sicherheitsanforderungen ab 2028 gelten

Die Verordnung (EU) 2025/20 ordnet die Bodenabfertigung erstmals in einen einheitlichen europäischen Sicherheitsrahmen ein. Trinkwasser ist darin ein Teil eines sicheren Ground-Handling-Prozesses, neben Fahrzeugbetrieb, Personal und Vorfeldsicherheit, nicht losgelöst davon.

GH.OPS.320 verlangt Verfahren für den Trinkwasserservice, die mit dem Flugplatzbetreiber abgestimmt sind. Das in ein Luftfahrzeug übernommene Wasser soll frei von relevanten chemischen Stoffen und Mikroorganismen sein. Die Wasserqualität ist periodisch entsprechend den Anforderungen der lokalen Gesundheitsbehörde und den Verfahren des Luftfahrzeugbetreibers zu prüfen. Daneben nennt die Vorschrift persönliche Schutzausrüstung und die Vermeidung von Fremdkörpern im Betriebsbereich.

Welche Übergabestellen geprüft werden

ÜbergabestellePrüfpunkt
QuelleEinspeisung am Flughafen✓
SpeicherTanks und feste Leitungen✓
BefüllpunktÜbergabe an das Wasserfahrzeug✓
WasserfahrzeugSchlauch und Standzeit✓
Flugzeugtankletzte Übergabe an Bord✓

Trinkwasserweg mit Übergabepunkten. Der Trinkwasserweg von der Quelle über Speicher, Befüllpunkt und Wasserfahrzeug bis zum Flugzeugtank. An jeder Übergabestelle wird geprüft (✓ = Prüfpunkt an jeder Übergabestelle; Fließrichtung des Trinkwassers von oben nach unten).

AMC1 GH.OPS.320 beschreibt als akzeptables Nachweisverfahren regelmäßige Prüfungen an verschiedenen Übergabepunkten, bevor das Wasser in den Trinkwassertank des Luftfahrzeugs übernommen wird: von der Quelle über stationäre Speicher und Befüllpunkte bis zu Wasserfahrzeugen und Schläuchen. Außerdem behandelt es Reinigung, Kennzeichnung, Wartung und Abstellung von Trinkwasserfahrzeugen.

Ein universelles Prüfintervall lässt sich daraus nicht ableiten. Lokale Gesundheitsanforderungen, die Verfahren des Luftfahrzeugbetreibers, der tatsächliche Flussweg und die relevanten Übergabepunkte bestimmen den Prüfplan des konkreten Standorts gemeinsam.

Trinkwasserstation für Flugzeuge an einem Flughafen
Trinkwasserstation für Flugzeuge an einem Flughafen. Reale Installation.

Welche Nachweise Betreiber und Ground Handler benötigen

  1. Schnittstellen klären. Wer verantwortet Quelle, stationäre Speicherung, Befüllpunkt, Fahrzeug, Übergabe und die jeweilige Freigabe? Ein Vertragstitel allein beantwortet diese Frage selten vollständig.

  2. Prüfplan standortbezogen aufsetzen. Übergabepunkte, lokale Gesundheitsanforderungen und Betreiberverfahren zusammen betrachten, nicht ein Kalenderintervall übernehmen.

  3. Nachweise aufbewahren und zuordnen. Prüfergebnisse, Reinigungs- und Desinfektionsnachweise so führen, dass sie dem jeweiligen Übergabepunkt zuzuordnen sind.

  4. Reaktion auf Befunde festlegen. Ein Laborwert ist nur dann betrieblich wertvoll, wenn Verantwortliche, Eskalation, Ursachenklärung, Korrektur und Wirksamkeitsprüfung feststehen.

Was die Ground-Handling-Verordnung nicht regelt

Abgrenzung

  • Sie ist keine Wasserqualitäts- oder Trinkwasserverordnung und ersetzt keine geltenden Trinkwasserregeln.
  • Sie schreibt keine bestimmte Behandlungstechnik vor, auch keine von Hydreatio oder Voigtländer.
  • AMC-Material ist ein akzeptables Nachweisverfahren; eine Organisation kann unter den dafür geltenden Bedingungen auch andere Nachweiswege verwenden.
  • Eine technische Anlage allein macht keinen Betrieb regelkonform.
Voigtländer Behandlungscontainer auf einem Flughafenvorfeld
Voigtländer Behandlungscontainer auf einem Flughafenvorfeld. Reale Installation.

Trinkwasserversorgung praktisch prüfen

Vor-Ort-Erzeugung, kontrollierte Dosierung, Online-Messung und dokumentierte Betriebsdaten können Bestandteile eines belastbaren Hygienekonzepts sein. Der passende technische Ansatz ergibt sich erst aus Wasserqualität, Prozess, Material, Kapazität, lokalen Anforderungen und Betreiberverfahren.

Ein sinnvoller Einstieg ist ein Trinkwasserhygiene-Audit, das den tatsächlichen Prozess von der Quelle bis zur Übergabe erfasst. Das Ergebnis ist keine Scheinkonformität, sondern eine klare Liste bestätigter Kontrollen, offener Nachweise und priorisierter nächster Schritte.

Trinkwasserversorgung am Flughafen prüfen: von der Quelle bis zur Übergabe.

PrimärquelleEASA Easy Access Rules for Ground Handling, Ausgabe November 2025: Delegierte Verordnung (EU) 2025/20, GH.OPS.320 und AMC1 GH.OPS.320. Die allgemeine Anwendbarkeit ab 27. März 2028 bezieht sich auf die einschlägigen Ground-Handling-Regeln. Lokale Gesundheitsvorgaben und Betreiberverfahren bleiben zusätzlich zu prüfen. Verordnung (EU) 2025/20 (EUR-Lex)